P. D. James

Wer sein Haus auf SĂĽnden baut

Roman. Erschienen im Verlag Droemer & Knaur. 1. Auflage, München 1995.
Aus dem Englischen von Christa E. Seibicke.
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 604 Seiten, Format 21,5 x 14 cm.

ISBN  3-426-19520-8

44,00 DM

Originaltitel: Original Sin
Originalverlag: Faber and Faber Ltd., London 1994

Inhaltsangabe:

In dem altehrwürdigen Verlag Peverell Press geschieht ein Selbstmord. Sonia Clements, eine der Lektorinnen des Verlags, nimmt sich in dem kleinen Archiv-Raum das Leben. Dass es Selbstmord ist, zweifelt niemand an. Doch schon bald wird der Verleger Gerard Etienne in demselben Raum tot aufgefunden, das Verlagsmaskottchen Hissing Sid um den Hals gelegt, den Kopf der Schlange in den Rachen geschoben. Nun tritt Commander Adam Dagliesh in Erscheinung, denn dass hier etwas nicht mit rechten Umständen zuging, ist allen klar. Wer könnte der Täter sein? Die Gesellschafter, die den radikalen Veränderungen, die Etienne anstrebte, nicht zustimmten? Verschiedenstes Personal des Verlags, das aufgrund der Umbrüche eine Kündigung zu befürchten hatten? Oder doch der unheimliche Verlagskobold, der schon seit Monaten sein Unwesen im Verlag treibt? Adam Dagliesh macht sich gemeinsam mit seinen Kollegen Kate Miskin und Daniel Aaron an die Arbeit. Langsam schlüsseln sie die verschiedenen Tatmotive der Verdächtigen auf. Doch der Fall ist frustrierend. Denn der eigentliche Beweggrund für die Tat liegt in der Vergangenheit – und nichts wird besser bewahrt als diese.

Leseprobe:

De Witt trat langsam vom Fenster zurück: »die Polizei lässt sich aber Zeit. Mrs. Demery wird es vermutlich genießen, ihnen ihre Lieblingsrolle vorzuspielen – die Cockney-Putzfrau mit der scharfen Zunge, aber dem Herzen auf dem rechten Fleck. Hoffentlich weiß der Commander ihren Auftritt zu würdigen.«
Claudia wandte sich nun doch von dem Bild ab, mit dem sie sich bislang so eingehend beschäftigt hatte. »Aber das ist Mrs. Demery nun mal, also kannst du`s kaum ein Rollenspiel nennen. Trotzdem hast du in einem recht: Sie verplappert sich leicht, wenn sie aufgeregt ist. Wir müssen achtgeben, dass uns das nicht passiert. Ich meine, dass wir uns verplappern, zu viel reden, der Polizei Dinge erzählen, die sie nicht zu wissen braucht.«
»Und an was denkst du da?“, fragte de Witt. »Na, zum Beispiel, dass wir uns nicht unbedingt einig waren, was die Zukunft des Verlags angeht. Die Polizei denkt nun mal in Klischees. Aber da die meisten Verbrecher sich auch an Klischees halten, liegt sie wahrscheinlich gar nicht so falsch.«
Frances Peverell hob den Kopf. Niemand hatte sie weinen sehen, aber ihr Gesicht war blass und aufgedunsen, die Augen blickten stumpf und glanzlos unter geschwollenen Lidern hervor, und als sie jetzt sprach, klang ihre Stimme brüchig, ja fast ein bisschen wie die eines quengelnden Kindes. »Was ist denn schon dabei, wenn Mrs. Demery redet? Und wieso kommt es darauf an, was wir sagen? Keiner von uns hat doch etwas zu verbergen. Es muss ohnehin jedem klar sein, was passiert ist. Gerard ist eines natürlichen Todes gestorben, oder er hatte einen Unfall, und irgendwer, bestimmt dieselbe Person, die uns in letzter Zeit fortwährend solch üble Streiche gespielt hat, entdeckte die Leiche und beschloss, aus diesem Tod ein Geheimnis zu machen. Es muss furchtbar für dich gewesen sein, ihn so vorzufinden, Claudia, mit der albernen Schlange um den Hals. Aber was geschehen ist, lässt sich doch ziemlich einfach rekonstruieren. Es kann nur so gewesen sein.«

Kritik:

Dass Phyllis Dorothy James lange Zeit unter anderem im Innenministerium für die Kriminalpolizei gearbeitet hat, merkt man beim Lesen. Zu gut kennt sie die Methoden der Polizei und die Abgründe der Menschen. So gelingt es ihr, drei authentische Polizisten zu kreieren, die jedoch auch – wen wundert`s – an ihrer eigenen Vergangenheit zu nagen haben. Die Motive der potenziellen Täter sind dank Rückblenden in die Vergangenheit stets nachvollziehbar, und bei so vielen Verdächtigen kann auch der Leser noch keinen als Täter ausschließen. Erst im vorangeschrittenen
Handlungsverlauf kommt jedoch wirklich Spannung auf, zu lange werden die Handlungsträger und deren Geschichten in den Vordergrund gerückt. Das mehr oder weniger sorgsam gehütete Geheimins steigert sich in ein etwas melodramatisches, jedoch auch abruptes Ende, und ehe man sich`s versieht, ist der Roman auch schon wieder ausgelesen. Der fassungslose Leser muss dies erst mal verdauen. Doch vielleicht ist es auch ganz gut so, dass dieser Krimi jetzt ein Ende hat. Denn noch mehr Personen, deren Namen der eine oder andere vielleicht vertauschen mag, hätten dem Buch wohl mehr Verwirrung als nötig zugefügt.

Empfehlung:

P. D. James schreibt weder schlecht, noch besonders herausragend. Sie hat ihre Schwächen und Stärken, wie wir alle, und versucht diese beim Schreiben geschickt einzusetzen. Für Fans der Autorin sicherlich willkommener Lesestoff, für eingefleischte Krimi-Liebhaber, deren Augenmerk nicht den Tatmotiven, sondern der Spannung der Handlung gilt, vielleicht nicht ganz das Richtige. Doch alles in allem eine solide Leistung, die auf einer langen Zugfahrt durchaus die Reise versüßen kann. Deswegen 3 Büchereulen.

 

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(Mark Twain)

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