Archiv für November 2011

Auch wenn ein Haus voll mit BĂĽchern ist, findet sich noch ein Plätzchen fĂĽr den Nachwuchs … :)

 

 

Die amerikanische Bloggerin Gabrielle Stanley Blair hat sechs Kinder. Anlässlich der Geburt ihrer jüngsten Tochter June im Mai 2010 hat sie sich ein professionelles Fotoshooting ins Haus geholt. Die Fotografin Blue Lily hat wunderschöne und originelle Babyfotos geschossen.

Der britische KĂĽnstler Olly Moss hat aus einem Ein-Pfund-Zweite-Hand-Buch – eine Ausgabe von Gullivers Reisen aus dem Jahr 1933 – kurzerhand ein M wie Moss ausgeschnitten und auf dem heimischen Buchregal plaziert.

 

 

Barry McCrea

Die Poeten der Nacht

Roman. Erschienen im Aufbau Verlag, Berlin im Februar 2008.
Aus dem Englischen von Bettina Stoll.
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 426 Seiten, Format 22 x 13,6 cm.

ISBN-978-3-3551-03222-7

22,95 Euro

Originaltitel: The First Verse. A Novel. Originalverlag: Carroll & Graf, New York City 2005.

 

 

 

Inhaltsangabe:

Niall Lenihan ist ein homosexueller Streber, welcher als Beckett-Stipendiant nach Dublin zieht um dort Literatur zu studieren, wo er Bekanntschaft macht mit John und Sarah, welche ihre Entscheidungen mit den sogenannten »Sortes« treffen. Dazu wird eine Frage laut formuliert, woraufhin willkürlich ein Buch, eine Seite und ein Textabschnitt gewählt werden. Dieser Textabschnitt, genannt »Synchronizität«, wird auf die Antwort der gestellten Frage hin interpretiert. Immer mehr verstrickt Niall sich in diesen »Lesezirkel“. Von nun an vernachlässigt Niall sein bisheriges Leben als Student um an den nächtlichen Sitzungen mit Kerzenschein teilzunehmen. Niall, John und Sarah lesen Textpassagen aus miteinander in sinnlosem Zusammenhang stehenden Schriftstücken. Diese scheinen sich im Laufe der Nacht auf geheimnisvolle Weise zu verweben und unheimliche Dinge herbei zuführen. So fangen Statuen an zu tanzen, lateinische Gesänge erklingen und geisterhafte Gestalten wandeln im Zimmer umher. Diese Sekte, genannt »Pour Mieux Vivre« wird immer mehr zu Nialls Lebensinhalt. Mit der Zeit lässt er sein altes neues Leben komplett hinter sich und der Plan auf die nächste Stufe in der strengen Hierarchie von »Pour Mieux Vivre« aufzusteigen, spielt ihn, John und Sarah fast kaputt. Nach einem nächtlichen Ausflug zu einem schmutzigen Kanal mit John und Sarah, welcher mit einem unglaublichen Übers-Wasser-Laufen beginnt und dann für Niall buchstäblich in einem Reinfall endet, kehrt er wieder zurück zu seinem Leben vor »Pour Mieux Vivre«. Mithilfe seines langjährigen Kumpels Patrick und dessen Mutter, Paula Mcveigh, sucht er sich einen Teilzeitjob und zieht mit Patrick in eine gemeinsame Wohnung. Doch die fantastischen Versionen während seiner Zeit bei »Pour Mieux Vivre« lassen ihn nicht los. Zudem hofft Niall den geheimnisvollen Pablo Virgomare wieder zu treffen, mit welchem er schon am ersten Tag in Dublin Bekanntschaft machte. Dieser begleitet Niall mit zufälligen Treffen, an denen er Strophen eines alten Kinderreimes zitiert. So fliegt Niall nach Paris um dort John und Sarah ausfindig zu machen. Niall erzählt seine Geschichte seinem Zimmer-Nachbar, dem Amerikaner Keith Balfour. Dieser zeichnet Nialls Erzählungen auf. Nach der Rückkehr Keiths in die Staaten, finden John, Sarah und Niall einander. Die drei sind den hohen Tieren von »Pour Mieux Vivre« näher auf den Spuren als zuvor. Doch Niall beschließt auszusteigen. Der Roman endet damit, dass Niall mit seiner Geschichte und seinem Coming-out abschließt und nach Dublin zurückkehrt.

Leseprobe:

»In dieser Nacht ließ ich zwei Möglichkeiten meines früheren Lebens hinter mir. Eine hatte mich schon morgens beim Arts Building in Richtung Botany Bay verlassen, die andere stand im strömenden Regen auf der Capel Street Bridge. Die Sitzung dauerte bis zum Morgen. Danach fiel ich in einen kurzen Dornröschenschlaf, und als ich aufwachte, waren John und Sarah schon gegangen. Ich verbrachte den darauffolgenden Tag allein, wanderte durch die Stadt, zog Bücher aus Regalen, versuchte mich mit neuen Tricks, enträtselte bis dahin unsichtbare Muster, die in die Oberfläche der Stadt eingeritzt waren, beobachtete das Hinundhergerenne der Menschen in den Straßen, ein in allen Einzelheiten choreographiertes Ballett, so transparent und so prachtvoll, dass ich erstaunt war, es noch nie zuvor gesehen zu haben, umso mehr, als es den Tänzern selbst nicht bewusst war, was für ein Mandala sie da zur Schau stellten. Es war, als höbe sich der dünne Schleier, der alles, buchstäblich alles bedeckt hatte. Ganz Dublin wirkte kontrastreicher, schärfer, jede Farbe, jede abgeschlagene Ecke eines Fenstersimses, jede kleine Welle auf dem schmutzigen Fluss erhielt eine neue, faszinierende Definition. Alle scheinbar leeren Wörter, die mich in der Stadt umgaben, die Werbeplakate, die Zeitungen an den Kiosken und die vorbeitreibenden Gesprächsfetzten wild fremder Passanten konnte ich endlich entziffern, so als trüge ich einen Stein von Rosette in mir, der alle Zeichen für mich entschlüsselte. Sogar aufgeschnappte Sätze, banal und beiläufig, wurden plötzlich ungeheuer bedeutsam, als wären sie das Herzstück eines einzigen unermesslich langen Gedichts.«

Kritik:
Die Schwierigkeit, dieses Buch zu lesen, besteht darin, dass aus der Sicht eines Homosexuellen erzählt wird, der Leser völlig unvorbereitet in das »Geschehen« hineingeworfen wird und kaum fesselnde Handlung stattfindet. Zudem werden zu viele unzusammenhängende Personen und Ereignisse in die Handlung integriert. Es scheint, als habe sich der Autor mit letzter Mühe spektakuläres Treiben aus den Fingern gesaugt, jedoch ohne großen Erfolg.

Empfehlung:

In diesem Roman geht es weniger um eine bestimmte Handlungsabfolge, sondern mehr um die Persönlichkeitsentwicklung der Hauptfigur. So langweilt der Autor seitenlang mit unwichtigen Details, bedeutungslosen Monologen sowie Dialogen und auf platten philosophischen Ebenen begründeten Stadtwanderungen durch Dublin und Paris. Der einzige Grund, dieses Buch zu lesen, stellt die beeindruckende Schreibweise des Autors dar. Mit eindrucksvollen Stilmitteln beschreibt er eine zutiefst ehrliche Weltansicht ohne jegliche Schonfrist. Ganz genau werden die Stützpfeiler unserer Gesellschaft unter die Lupe genommen. Das Ergebnis liest sich wie ein faszinierendes Gedicht, welches nur leider ohne jeglichen Sinn ist. Somit kann ich traurigerweise nur 2 Büchereulen verteilen.

 

Der mdr dreht jetzt gerade vor der TĂĽr von Die Buch Bar mit Frau Holle – mit ein bisschen Fantasie könnte man beinahe die Buchstaben aus den geschĂĽttelten Betten rieseln sehen …

Ausgestrahlt wird die Sendung am 11.12. um 20:15 Uhr.

Bücher ziehen sich seit Jahrzehneten durch die Arbeiten der amerikanischen Künstlerin Lisa Kokin. Sie recycelt mit Vorliebe alte Bücher für ihre Objekte und Skulpturen.

 


Zitat des Monats

»Es gibt Bücher, die unverdientermaßen in Vergessenheit geraten sind; es gibt jedoch keine, die unverdientermaßen wieder in Erinnerung kamen.«
(Wystan Hugh Auden)

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