Archiv für die Kategorie „Messeabenteuer“

Auch Sophie Ritter – hier im Block bekannt für die Rezensionen – hat die Leipziger Buchmesse besucht und uns berichtet.

LBM sehen und sterben

… vor Entzückung. Und Klaustrophobie. Doch wahre Bookoholiker wagen sich selbstverständlich trotzdem rein. Hier ein (nicht ganz) ernstzunehmender Eindruck:

Lange war es geplant, endlich ging es los: Am Sonntag fuhren meine beste Freundin Katja und ich zur Leipziger Buchmesse. Ich war früher immer nur mit meiner Familie dort gewesen und Katja letztes Jahr mit ein paar anderen Mädchen unseres Alters. Dieses Jahr jedoch wollten wir uns gemeinsam der Buchmesse stellen. Als Fans von (fast) allem Lesbarem hatten wir diesem Ereignis natürlich schon lange entgegenfiebert, doch erinnerten wir uns übel an die Menschenmassen der vergangenen Jahre. Wir schoben diesen Umstand darauf, dass wir immer Samstags gefahren waen, also nahmen wie uns vor, dieses Mal den Sonntag zu nutzen. Erst einige Tage vor der Buchmesse erfuhr wir, der Sonntag ist als “Familientag” reserviert. Selbstverständlich finden Katja und ich Kinder “süß” – solange sie in sicherem Wohlfühlabstand von uns, das heißt mind. einem halben Meter, ihr Dasein fristen. Wenn man allerdings schon mal auf der LBM war, dann weiß man, dass es dort keinen Wohlfühlabstand gibt. Es wird gedrückt, geschoben – und zwar von allen Seiten. Der einzige Vorteil würde wohl darin bestehen, dass wir über die Masse drüberschauen könnten, wenn so viele Kinder kämen – dachten wir uns.

Gespannt fuhren wir also am Sonntag los, kamen kurz vor um 10 Uhr an und problemlos ins Messegelände rein. Das gefürchtete Anstehenmussten wir schon mal nicht erleiden. Um 10 ging es los, die Tore wurden geöffnet und die Massen – jung wie alt – strömten wissbegierig und in gespannter Erwartungshaltung in den Himmel der Lesesüchtigen. Um unseren Schlachtplan, den wir uns vorher zurecht gelegt hatten, einzuhalten, gingen wir zuerst in Halle 3.

Schritt für Schritt oder besser gesagt Halle für Halle wollten wir uns vorarbeiten; hier ein paar Eindrücke gewinnen, da was Neues sehen. In der Masse, die uns unwillkürlich mitriss und voranschob, fühlten wir beide uns allerdings eher an die überfüllten Schulflure unseres Gymnasiums erinnert. Ein alter Herr mit praktischem Rollköfferchen, die Schüler auch gerne als Ranzen zweckentfremden, verstärkte diesen Eindruck.

Nun, wr schafften es bis in Halle 3. Wie vorgenommen, wollte ich eigentlich zuerst den Stand der anonymen Bookoholiker (Die Buch Bar) ansteuern. Doch hätte ich mich nicht mal in einem Irrgarten verlorener vorkommen können. Unzählige Stände schienen ein Labyrinth zu bilden, auf das ich mich mental noch gar nicht eingestimmt hatte. Der rote Faden war schnell verloren und so entschieden wir, erstmal weiterzulaufen und später Halle 3 zu beehren. Also weiter zu Halle 5. Um dahin zu kommen, durchquerten wir ein Restaurant zwischen den Hallen, das angenehm kühl war. Wie warm es in den Hallen war, fiel uns erst dadurch auf. Doch da Katja und ich nicht aus Zucker sind, ließen wir uns von der leicht erhitzen Umgebung – sowohl mental als auch temperaturmäßig – nicht abhalten.
Interessant war allerdings - wo wir gerade bei Hitze sind - dass an den Wänden viele Plakate zum Thema erotische Literatur hingen, “Shades of Grey” sei Dank.
Dessen ungeachtet war auch Halle 5 nicht übersichtlicher oder gar weniger gut bestückt mit Menschen und Ständen. Dennoch gab das Buchliebhaber-Herz nicht auf und so fanden wir endlich einen Stand, der uns ganz und gar entzückte: “Philosophie”, eine liebevoll gestaltete Zeitung zu Themen, die uns beide interessieren. Die geschickt drapierten Kissen luden ein zum Verschnaufen und Durchblättern der Zeitschriften, die Leseproben machten Lust auf mehr. So kam es, dass wir uns in aller Ruhe endlich einem Stand widmen konnten. Doch: man soll aufhören, wenn es am schönsten ist - außerdem wollten wir auch noch die restlichen Hallen besichtigen. Also reihten wir uns wieder in die Menschenschlange, die sich durch die Gänge wand, ein und ließen uns im Schritttempo vorwärts treiben. Trotz dieser Gemächlichkeit fand ich leider nicht die Ruhe, gelassen auf die anderen Stände einzugehen, sondern fühlte mich von den ganzen Eindrücken um mich herum leicht überfordert.

So ging es Saal für Saal, bis wir endlich in die Fantasy-Abteilung kamen. Aufgrund unserer Klaustrophobie waren wir zwei ja schon in den anderen Hallen, wo namhafte und (leider) unbekannte Verläge sowie diverse Fernsehkanäle ein Auftanzen veranstalteten, leicht eingeschüchtert gewesen, doch das war gar kein Vergleich zu jetzt, als die Menschenmasse dem Ansturm einer Volkszählung glich. Und jetzt wussten wir, wo der wahre Familientag zelebriert wurde. “Luft, Luft, Luft!”, brüllten indes meine Lungenflügel. Mit dem panischen Wunsch, keine Loveparade-ähnlichen Zustände zu erleben, wurden wir in die Manga- und Anime-Abteilung geschleust. Jetzt gab es wirklich was für’s Auge, nämlich die beeindruckenden, detailgetreuen Cosplayer im Wetteifern um das beste Kostüm. Wer schon mal auf einer sogenannten Con (Anime-Convention) war, weiß, wie schwer es ist, zu sagen, wer nun das beste besitzt. Doch hier auf der LBM kam man gar nicht mehr aus dem Staunen raus. Es macht auch als Nicht-Fan Spaß, sich einfach mal hinzusetzen – z. B. in einem nachgestellten japanischen Teegarten – und die farbenfrohen Gestalten zu beobachten, die bewundernswert viel Zeit in ihr Hobby investieren. Fast immer mit dem Ergebnis, dass sich schon das Anschauen wirklich lohnt. Doch dies ist nicht das Einzige gewesen, was so interessant war an dieser Abteilung. Auch die ganzen Fanartikel und die große Vielzahl an Manga verlockten einen. Jedoch sind diese meist so teuer, sodass uns nur das Sehen und Staunen blieb.

Allerdings kam uns beiden auch hier in die Quere, dass unsere Platzangst beste Gelegenheit hatte sich zu entfalten, sodass wir irgendwann wieder die Flucht ergriffen. Dabei durchquerten wir abermals die Fantasy-Abteilung, wo man Autoren dabei lauschen konnte, wie sie ihrem geschriebenem Wort eine Stimme liehen. Die meisten Schriftsteller sogar beeindruckend packend und schauspieltauglich. Kein Wunder also, dass so manche Leseratte ihr Glück auf den Stühlen der Fantasy-Abteilung fand.

Während Katja und ich uns langsam erschöpft vorantreiben ließen, konnte ich flüchtige Blicke auf die nachgestellte Kuppel des Reichstages erhaschen, das Café Europa und andere Attraktionen, die neugierig machten. Allerdings löste es bei mir schon ein wenig Verwunderung aus, dass selbst das Arbeitsamt und die deutsche Bundesbank vertreten waren, die ich ja nun nicht in erster Linie mit Büchern in Verbindung bringen würde. Es sei denn, dass einzige Buch, das einem vertraut ist, ist das Sparbuch.

Als wir beide es endlich geschafft hatten, aus dem Menschenstrom auszubrechen, schlichen wir uns kaputt in die Vorhalle und ließen uns auf die zahlreichen Bänke fallen, die zu unserem Glück bereitgestellt worden waren. Eine Auszeit und ein neuer Plan mussten her. Zwar hatten wir bisher unzählige neue Eindrücke gewonnen und mehr oder weniger begeistert gruppengekuschelt, doch wirklich das erledigt, was wir uns vorgenommen hatten, hatten wir noch nicht: in Ruhe nach Lesestoff Ausschau halten, vielleicht das eine oder andere Buch bzw. den ein oder anderen Manga erwerben und noch ein begehrtes Fanart-Poster aus der Manga-Abteilung kaufen. Doch erstmal wurde entspannt und die Reserven wieder aufgefüllt. Bei einem Blick auf die Uhr bemerkten wir, dass die Mittagszeit schon bedrohlich nah war und wie auf Signal meldete sich der Hunger. Trotz unzähliger Fressbuden, auf die man am Rande der Gänge stieß, nahmen wir uns vor, später einen McDonalds aufzusuchen, als Belohnung sozusagen. Doch davor würden wir noch das in Angriff nehmen, weshalb wir eigentlich hergekommen waren. Nachdem wir genug relaxt und einige schillernde Cosplayer beobachtet hatten, machten wir uns also erneut zu Halle 3 auf. Mit Katjas Hilfe fand ich nun auch endlich Die Buch Bar. Kuezes Verweilen, ein kleiner Plausch, dann ging es zur Antiquariatsmesse, ebenfalls in Halle 3. Allerdings fand ich es frech von den Veranstaltern 1,50 € für die Abgabe bei der Garderobe zu verlangen, mit Gaderobe kam man gar nicht erst rein. Somit war das Thema Antiquariat beendet und der Streifzug wurde vorgesetzt. Dabei ergriff ich die Gelegenheit, um mir einen neuen Roman zuzulegen. Voller Glücksgefühle schwebte ich weiter zur Manga- und Anime-Abteilung. Nach einigem Hin- und Her fanden Katja und ich auch endlich die gesuchten Poster, um sie sogleich zu erwerben. Zwei  Poster für Katja, eines für mich – und weitergings. Nach draussen! Überglücklich, doch noch die LBM genutzt zu haben, zog es uns Richtung Ausgang. Auf dem Weg dahin wurden wir witzigerweise noch angesprochen, ob wir nicht Lust auf einen erotischen Roman hätten. In verklemmter, einem Teenager würdiger Art verneinten wir diese für uns etwas pikante Frage.

Endlich blinzelte uns das Licht der Wintersonne entgegen und nachdem wir die letzte Hürde überwunden hatten – die Einlassstäbe – verließen wir glücklich, aber auch etwas wehmütig die LBM 2013, um uns mit knurrendem Magen Richtung McDonalds aufzumachen. Und obwohl die LBM für Klaustrophobe wohl einer der schlimmsten Orte der Welt ist, ist der Bookoholiker in uns beiden fest entschlossen: LBM 2014? Auf jeden Fall!

Die Leipziger Buchmesse ist ja dafür bekannt, dass viele Besucher im Kostüm kommen – inzwischen nicht nur die Manga-Fraktion.

Bei diesem originellen Kostüm eines echten Bücherwurms haben wir mal fix die Kamera rausgeholt. Und noch origineller ist es hergestellt worden – es ist nicht genäht sondern getackert: Mit einem normalen Bürotacker wurden die zu kleinen Quadraten gefalteten Buchseiten miteinander verbunden.

Unser Stand von heute …

 

Wir 2013 in leuchtendem Pink …

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In den nächsten vier Tagen (14. – 17. März) findet Ihr uns auf der Leipziger Buchmesse: Halle 3, Stand E302.


Zitat des Monats

In Wirklichkeit ist jeder Leser, wenn er liest, ein Leser nur seiner selbst.
(Marcel Proust)

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