Archiv für die Kategorie „Ausgelesen“

 

 

Ilija Trojanow (Text)
Anja Bohnhof (Fotos)

Die Stadt der Bücher

Erschienen im Verlag LangenMüller.
1. Auflage, München 2012,

Gebundenes Buch.
128 Seiten, 60 Farbfotos,
Format 18 x 14 cm.

ISBN: 978-3-7844-3293-9

14,99 Euro

 

 

 

 

„Ein Labyrinth aus bedrucktem Papier; von den Bürgersteigen zu den Durchgängen, von Türen über Treppen bis hinauf zu vollgestopften Dachgeschossen stapeln sich Bücher zu Fassaden, Ecken und Erkern.” (Verlagstext)

Die Fotografin Anja Bohnhof schreibt über ihre Arbeit:

Unbeeindruckt von den Verkündigungen, die das Ende der Ära des gedruckten Buches im digitalen Zeitalter in schon naher Zukunft als Gewissheit betrachten, stapelt sich das Druckwerk im Universitätsviertel in Kolkata (Kalkutta) zu Millionen und wird täglich von vielen ortsansässigen großen und kleinen Verlagshäusern neu produziert und auf den Markt gebracht. Es heißt, im Viertel rund um die College Street bekäme man jedes gewünschte Buch: Über 10.000 Buchläden offerieren ein Angebot neuer und gebrauchter Ware, die von den Schriften Karl Marxs über islamische Prosa bis hin zu aktuellen Lehrbüchern reicht.

Aber Kolkata zeichnet sich nicht nur über die Liebe zum Lesen aus, die Metropole ist der drittgrößte Softwareexporteur Indiens, daher also maßgeblich beteiligt an den Entwicklungen, die zu weltweiten Digitalisierungsprozessen in immer mehr Lebensbereichen beitragen und dauerhaft wohl auch die Existenz des Buches in seiner materiellen Form mindest in Frage stellen werden.

Dessen ungeachtet ist der Respekt vor dem gedruckten Buch dort äußerst präsent, was sich nicht nur in Achtung vor Bildung und Wissen begründet. Innerhalb einer über viele Jahrzehnte von materieller Armut geprägten westbengalischen Bevölkerung, hat das Materielle einen grundsätzlichen Wert, anders, als es in Wohlstandsgesellschaften denkbar ist. Dieser Respekt offenbart sich insbesondere, wenn man die oft improvisiert anmutenden Verkaufsstände an den Straßenrändern in den Blick nimmt, architektonische Gebilde aus Büchern, die wahrlich jedem Buch der Welt einen Platz zu geben scheinen.

Diese Buchläden stehen im Mittelpunkt meiner fotografischen Arbeit, über die angewandten Formalkriterien, der mit Großformattechnik umgesetzten Aufnahmen, gelingt eine Konzentration auf das einzelne Objekt und ermöglicht zudem eine Vergleichbarkeit innerhalb der gesamten Serie. Kontrastiert werden diese detailgenauen und menschenleeren Ansichten durch Aufnahmen von belebten Straßenszenerien aus dem Alltag der College Street und ihren Seitenstraßen: Einem Ort in Kolkata, dessen Erhabenheit sich auf Wissen und Respekt gegenüber dem Kulturgut Buch in jedem noch so schlicht wirkenden Bücherstand auszudrücken vermag.

 

 

Sheridan Hay

Die Antiquarin

Roman. Erschienen im Kindler Verlag (zu Rowohlt Verlage). 1. Auflage, Reinbek 2007.
Aus dem Englischen von Judith Schwaab.
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag,
431 Seiten, Format 21 x 13 cm.

ISBN  3-463-405063

19,90 Euro

Originaltitel: The Secret of Lost Things
Originalverlag: Fourth Estate, London 2006

 

 

 

Inhaltsangabe:

Die jungfräuliche Rosemary Savage kommt mit 18 Jahren nach dem Tod ihrer Mutter aus Tasmanien nach New York. Allein streift sie dort umher und findet bei der Erkundung der Stadt schließlich das Arcade – ein riesiges Antiquariat, dessen Mitarbeiter ebenso seltsam wie faszinierend sind. Rosemary, die nebst ihrer Fantasie auch noch ihre Liebe zu Büchern besitzt, will unbedingt an diesem geheimnisvollen Ort arbeiten. Entgegen ihren Erwartungen wird sie von dem störrischen Inhaber George Pike eingestellt und so beginnt Rosemary nach und nach in die Welt dieser Kostbarkeiten einzutauchen. Dabei macht sie auch Bekanntschaft mit dem eigenwilligen Oscar, einem 10 Jahre älteren Kollegen, in den sie sich unsterblich verliebt. Doch der Geschäftsführer Walter Geist, ein Albino in den Vierzigern, beginnt, sich für Rosemary – im Gegensatz zu Oscar – zu interessieren. Rosemarys anfängliche Abscheu wird immer mehr von ihrer Faszination ihm gegenüber verdrängt. Im weiteren Verlauf des Romans wird Rosemary auf ein Manuskripts Herman Melvilles aufmerksam. Gemeinsam mit Oscar macht sie sich auf die Suche danach und die beiden scheinen dem verlorengeglaubten Meisterwerk immer näher zu kommen. Doch auch Geist ist auf der Suche nach diesem unbezahlbaren Dokument und den beiden immer einen Schritt voraus…

Leseprobe:

Mit einem Mal ließ er sich auf einen Stapel Bildbände über Innenarchitektur fallen und rülpste hinter vorgehaltener Hand. Arthur plagten ständig Verdauungsstörungen.
»Grausamkeiten bin ich gewohnt, Rosemary. Du hast sicherlich gemerkt, dass es eine ganze Reihe von Leuten hier im Arcade gibt, die Grausamkeit gewohnt sind.«
Er rülpste noch einmal.
»Ich meine, schau dir doch nur mal Geist an, und sogar den bewundernswert eigenwilligen Oscar. Und dann ist da Pearl –Mensch, Hermaphroditen gibt’s doch nur im Märchen! Diese Leute wissen alle, was es heißt, wenn man grausam zu ihnen ist.«
»Aber sie sind selber nicht grausam.«, sagte ich überzeugt. »Das ist der Unterschied. Deshalb ist hier auch jeder sicher.«
»Da würde ich mich nicht drauf verlassen. Grausamkeit kennt jeder, auf die eine oder andere Weise.«
»Was meinst du?«
»Schau mal, mein tasmanischer Teufel …«
»Hör endlich auf damit!«, rief ich.
»Okay!« Er hob die Hände, als wollte er sich ergeben. »Aber du solltest nicht darauf bestehen, nur das zu sehen, was du sehen willst. Versuch diesen Ort hier als das zu betrachten, was er ist.«
»Und was ist dieser Ort, Arthur?«
»Na, ein Buchladen, aber auch ein Reliquienschrein für die Gebeine seltsamer Kreaturen. Meerjungfrauenschwänze, die Hörner von Einhörnern … diese Sachen eben. Hier hast du einen wunderbaren Einblick in die Naturgeschichte.«
Er wandte seinen großen Kopf und sah sich um.
»Die Bücher dienen dazu, das Normale auszufiltern. Das Wirkliche. Und wir haben uns in der Isolation weiterentwickelt, wie die Gattungen auf Galapagos. Wir sind Isolatos– Inseln auf einer Insel, wie die Insel, von der du kommst …«
»Hör auf Arthur, du bist schon komisch.«, sagte ich. Es machte mich ungeduldig, dass ich seiner Argumentation nicht mehr folgen konnte, seinen ewigen Abschweifungen.
»Genau. Das wollte ich gerade sagen. Ich habe gar keine andere Wahl, als komisch zu sein.«
Er hievte sich wieder hoch und schlenderte zu einem der Stammkunden, um ihn zu fragen, ob er Hilfe brauche.

Kritik:

Während man Sheridan Hay einen Pluspunkt für ihren angenehm zu lesenden wie auch anmutigen Schreibstil geben muss, so muss man ihr auch wieder vorwerfen, dass dieser Roman einfach zu viele Charaktere und deren Probleme umfasst. Denn im Roman geht es nicht nur um die Wandlung der Hauptprotagonistin Rosemary von einem schüchternen Mädchen zu einer selbstbewussten jungen Frau, sondern es werden auch Themen wie Transsexualität, der Verlust des eigenen Kindes und Flucht, Mobbing und Diskriminierung sowie Liebeskummer mehr oder weniger auseinandergepflückt. Das sind einfach zu viele Themen, die da auf den Leser einprasseln und die Spannung des Romans ins Stocken bringen – wobei ohnehin schon nicht allzu viel Spannung zu erwarten ist, denn was sich auf dem Klappentext nach einem Krimi anhört, ist viel mehr die Geschichte eines Reifeprozesses, der manchmal so von naiven Gedankengängen durchwirkt ist, dass man Rosemary am liebsten an den Schultern nehmen und schütteln möchte. Doch vor allem wenn man in den Genuss ihrer Schuldzuweisungen kommt, möchte man laut aufstöhnen. Egal, wie sehr Oscar sie (mal wieder) demütigt, stets sieht Rosemary bei sich selbst die Schuld dafür, zeigt Verachtung für sich selbst und hechelt ihm weiterhin treu-doof hinterher. Da würde man teilweise am liebsten das Buch weglegen, was man aber letztendlich doch nicht tut, denn Rosemary ist einem auch irgendwie viel zu sehr ans Herz gewachsen. Also geht man ihren Leidensweg mit, der immerhin von schöner sprachlicher Gestaltung ist.

Empfehlung:

Auf jeden Fall was für Bücherliebhaber, denn die Atmosphäre im New Yorker Arcade, wie sie hier beschrieben wird, lässt einem als Bibliophilen das Wasser im Mund zusammenlaufen. Doch sollte man sich beim Kauf des Buches vor Augen halten, dass man weniger einen Krimi zu erwarten hat, stattdessen aber postpubertäre Gedankengänge, die wahrscheinlich nicht jeden zum Schmunzeln bringen, sondern manchen vor soviel Naivität eher ins Rasen versetzen. Auch muss man mit vielen Zitaten Herman Melvilles rechnen sowie Details aus seinem Leben, was ich zwar als interessant bewertet habe, aber von Lesern, die nichts für Melville übrig haben, eher als störend empfunden werden könnte. Letztendlich ein Roman, der durchaus lesbar ist, jedoch wohl nicht zum heimlichen Bestseller avancieren würde. Eben ein Buch, das einfach nur nett ist und dementsprechend auch drei nette Büchereulen verdient.

Ein wunderbarer Bilderbuchschatz des französischen Autors und Illustrators Claude Ponti, in dem er eine ganz besondere Welt beschreibt und zeichnet.

Im schönsten Tal der Welt gibt es gibt es Orte wie die blauen Felsen, den Verirr-dich-nicht-Wald, die Heia-Heia-Insel, den Geheimnisbaum, das Austobhaus und natürlich den Haus-Baum mit Sternenzimmer, Schlafzimmer, Schwimmbad, Treppen,  Turmzimmer und mehreren Bücherzimmern.

Erschienen 2010 im Moritz Verlag. 48 Seiten · gebunden · Fadenheftung · durchgängig farbig illustriert · 30,2 x 21,6 cm. ISBN 978-3-89565-221-9. Aus dem Französischen übersetzt von Erika Klewer.

 

 

Franziska Biermann

Herr Fuchs mag Bücher

Kinderbuch. Erschienen bei Bloomsbury K & J (Berlin Verlag GmbH) 2008.
Originalausgabe erschienen im Rowohlt Verlag, Hamburg 2001.
Text & Illustration: Franziska Biermann.
Gebunden, 64 Seiten, Format 23,6 x 16,4 cm.

ISBN  978-3-8270-5317-6

11,95 €

 

 

 

 

 

Inhaltsangabe:

Die Geschichte handelt von dem kleinen Herrn Fuchs, der Bücher über alles liebt – so sehr, dass er sie sogar zum Fressen gern hat. Deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass ihn sein Hunger nach Büchern so weit treibt, dass er sogar seine Möbel verkaufen muss, um sich Bücher kaufen zu können. Doch irgendwann hat er all seine Bücher verschlungen und braucht dringend Nachschub, denn je mehr Bücher er verschlingt, desto größer wird auch sein Appetit. Über einige Umwege kommt der kleine Herr Fuchs schließlich ins Gefängnis. Aus der Not heraus beginnt er seinen eigenen Roman zu schreiben, um ihn hinterher verspeisen zu können. Aber Herr Schultz, der Gefängniswärter, bringt das Buch von Herr Fuchs groß raus, so dass der Autor berühmt und natürlich aus dem Gefängnis entlassen wird. Sein Buch ist sogar so beliebt, dass man es nicht nur in 17 Sprachen übersetzt, sondern es auch noch verfilmt! Herr Fuchs, der nun ein stinkreicher Millionär ist, kann sich so viele Bücher kaufen, wie er will und braucht von diesem Tage an keinen Hunger mehr zu leiden – weder nach Bildung noch nach schmackhaften Bücherseiten.

Leseprobe:

»Er trat ein und befand sich mitten im Schlaraffenland: kilometerweit nichts als Bücher – Regale gefüllt von oben bis unten. Lecker, lecker!, dachte der kleine Herr Fuchs. Er konnte es kaum fassen, dass man von hier die Bücher umsonst mitnehmen durfte. Von nun an kam der kleine Herr Fuchs jeden Tag in die Bücherei. Unauffällig begutachtete er seine Leibspeisen und leckte, schnupperte und schleckte an der einen oder anderen Probeseite. Hatte er etwas nach seinem Geschmack gefunden, verstaute er es in seiner Fuchstasche und schleppte es nach Hause.«

Kritik:

Obwohl ich solche Bücher schon seit Jahren nicht mal mehr mit einem Blick bedacht habe, muss ich zugeben, dass ich dieses Büchlein durchaus niedlich fand. Für Kinder ist dieses Buch wirklich geeignet, da es die Lust auf Bücher nicht nur weckt, sondern auch leicht ironisch auf die Schippe nimmt. Die Sätze sind kurz und altersgerecht formuliert, die Illustrationen wirklich herzallerliebst. Ich glaube, für so ein Buch fällt einem kein anderes Wort außer süß ein.

Empfehlung:

Für Kinder in der Altersklasse 3 bis 7 passend formuliert und liebevoll gestaltet. Mit dieser Geschichte fällt das Einschlafen bestimmt nur noch halb so schwer. Doch auch für Jugendliche und Erwachsene ist dieses Werk ein zwar kurzes, jedoch erfrischendes und jederzeit passendes Lese-Erlebnis. Das einzige, was es erfordert, ist eine gewisse Portion Humor und ein Herz, das im Grunde Kind geblieben ist. Selbst rwachsene Leser werden sich an der farbenfrohen Gestaltung des Buches erfreuen.
Wohl verdiente 5 Büchereulen, denn für echte Bücherliebhaber ein absolutes Muss!

 

 

P. D. James

Wer sein Haus auf Sünden baut

Roman. Erschienen im Verlag Droemer & Knaur. 1. Auflage, München 1995.
Aus dem Englischen von Christa E. Seibicke.
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 604 Seiten, Format 21,5 x 14 cm.

ISBN  3-426-19520-8

44,00 DM

Originaltitel: Original Sin
Originalverlag: Faber and Faber Ltd., London 1994

Inhaltsangabe:

In dem altehrwürdigen Verlag Peverell Press geschieht ein Selbstmord. Sonia Clements, eine der Lektorinnen des Verlags, nimmt sich in dem kleinen Archiv-Raum das Leben. Dass es Selbstmord ist, zweifelt niemand an. Doch schon bald wird der Verleger Gerard Etienne in demselben Raum tot aufgefunden, das Verlagsmaskottchen Hissing Sid um den Hals gelegt, den Kopf der Schlange in den Rachen geschoben. Nun tritt Commander Adam Dagliesh in Erscheinung, denn dass hier etwas nicht mit rechten Umständen zuging, ist allen klar. Wer könnte der Täter sein? Die Gesellschafter, die den radikalen Veränderungen, die Etienne anstrebte, nicht zustimmten? Verschiedenstes Personal des Verlags, das aufgrund der Umbrüche eine Kündigung zu befürchten hatten? Oder doch der unheimliche Verlagskobold, der schon seit Monaten sein Unwesen im Verlag treibt? Adam Dagliesh macht sich gemeinsam mit seinen Kollegen Kate Miskin und Daniel Aaron an die Arbeit. Langsam schlüsseln sie die verschiedenen Tatmotive der Verdächtigen auf. Doch der Fall ist frustrierend. Denn der eigentliche Beweggrund für die Tat liegt in der Vergangenheit – und nichts wird besser bewahrt als diese.

Leseprobe:

De Witt trat langsam vom Fenster zurück: »die Polizei lässt sich aber Zeit. Mrs. Demery wird es vermutlich genießen, ihnen ihre Lieblingsrolle vorzuspielen – die Cockney-Putzfrau mit der scharfen Zunge, aber dem Herzen auf dem rechten Fleck. Hoffentlich weiß der Commander ihren Auftritt zu würdigen.«
Claudia wandte sich nun doch von dem Bild ab, mit dem sie sich bislang so eingehend beschäftigt hatte. »Aber das ist Mrs. Demery nun mal, also kannst du`s kaum ein Rollenspiel nennen. Trotzdem hast du in einem recht: Sie verplappert sich leicht, wenn sie aufgeregt ist. Wir müssen achtgeben, dass uns das nicht passiert. Ich meine, dass wir uns verplappern, zu viel reden, der Polizei Dinge erzählen, die sie nicht zu wissen braucht.«
»Und an was denkst du da?“, fragte de Witt. »Na, zum Beispiel, dass wir uns nicht unbedingt einig waren, was die Zukunft des Verlags angeht. Die Polizei denkt nun mal in Klischees. Aber da die meisten Verbrecher sich auch an Klischees halten, liegt sie wahrscheinlich gar nicht so falsch.«
Frances Peverell hob den Kopf. Niemand hatte sie weinen sehen, aber ihr Gesicht war blass und aufgedunsen, die Augen blickten stumpf und glanzlos unter geschwollenen Lidern hervor, und als sie jetzt sprach, klang ihre Stimme brüchig, ja fast ein bisschen wie die eines quengelnden Kindes. »Was ist denn schon dabei, wenn Mrs. Demery redet? Und wieso kommt es darauf an, was wir sagen? Keiner von uns hat doch etwas zu verbergen. Es muss ohnehin jedem klar sein, was passiert ist. Gerard ist eines natürlichen Todes gestorben, oder er hatte einen Unfall, und irgendwer, bestimmt dieselbe Person, die uns in letzter Zeit fortwährend solch üble Streiche gespielt hat, entdeckte die Leiche und beschloss, aus diesem Tod ein Geheimnis zu machen. Es muss furchtbar für dich gewesen sein, ihn so vorzufinden, Claudia, mit der albernen Schlange um den Hals. Aber was geschehen ist, lässt sich doch ziemlich einfach rekonstruieren. Es kann nur so gewesen sein.«

Kritik:

Dass Phyllis Dorothy James lange Zeit unter anderem im Innenministerium für die Kriminalpolizei gearbeitet hat, merkt man beim Lesen. Zu gut kennt sie die Methoden der Polizei und die Abgründe der Menschen. So gelingt es ihr, drei authentische Polizisten zu kreieren, die jedoch auch – wen wundert`s – an ihrer eigenen Vergangenheit zu nagen haben. Die Motive der potenziellen Täter sind dank Rückblenden in die Vergangenheit stets nachvollziehbar, und bei so vielen Verdächtigen kann auch der Leser noch keinen als Täter ausschließen. Erst im vorangeschrittenen
Handlungsverlauf kommt jedoch wirklich Spannung auf, zu lange werden die Handlungsträger und deren Geschichten in den Vordergrund gerückt. Das mehr oder weniger sorgsam gehütete Geheimins steigert sich in ein etwas melodramatisches, jedoch auch abruptes Ende, und ehe man sich`s versieht, ist der Roman auch schon wieder ausgelesen. Der fassungslose Leser muss dies erst mal verdauen. Doch vielleicht ist es auch ganz gut so, dass dieser Krimi jetzt ein Ende hat. Denn noch mehr Personen, deren Namen der eine oder andere vielleicht vertauschen mag, hätten dem Buch wohl mehr Verwirrung als nötig zugefügt.

Empfehlung:

P. D. James schreibt weder schlecht, noch besonders herausragend. Sie hat ihre Schwächen und Stärken, wie wir alle, und versucht diese beim Schreiben geschickt einzusetzen. Für Fans der Autorin sicherlich willkommener Lesestoff, für eingefleischte Krimi-Liebhaber, deren Augenmerk nicht den Tatmotiven, sondern der Spannung der Handlung gilt, vielleicht nicht ganz das Richtige. Doch alles in allem eine solide Leistung, die auf einer langen Zugfahrt durchaus die Reise versüßen kann. Deswegen 3 Büchereulen.

 


Zitat des Monats

In Wirklichkeit ist jeder Leser, wenn er liest, ein Leser nur seiner selbst.
(Marcel Proust)

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