Archiv für die Kategorie „Ausgelesen“

 

Katarina Bivald

Ein Buchladen zum Verlieben

Roman. Erschienen im btb Verlag (Verlagsgruppe Random House). 1. Auflage, MĂĽnchen 2014.

Aus dem Schwedischen von Gabriele Haefs.
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag,
448 Seiten, Format 21,5 x 13,5 cm.

ISBN  978-3-442-75456-4

19,99 Euro

Originaltitel: Läsarna i Broken Wheel rekommenderar
Originalverlag: Bokförlaget Forum

 

 

Inhaltsangabe:

Sara Lindqvist ist 28 Jahre alt, Schwedin, Bücherliebhaberin – und arbeitslos. Der Buchladen, indem sie 10 Jahre lang ihrer Bibliophilie berufstätig nachgehen durfte, ist pleite. Kurzerhand fliegt Sara nach Iowa, zu ihrer langjährigen Brieffreundin Amy. Doch in Broken Wheel angekommen, stellt sich heraus, dass die betagte Dame von ihren Gebrechen dahingerafft wurde. Sara steht nun vor dem Dilemma, wie sie die 2 Monate, die ihr bis zum Rückflug bleiben, mit nur 13 Büchern überleben soll. Doch zum Glück findet sie Amys Büchersammlung. Von der Eingebung beseelt, die sterbende Kleinstadt würde durch einen Buchladen wieder neu aufleben, macht sie mit dem breit gefächerten Repertoire aus Amys literarischem Nachlass einen solchen auf. Doch die – um es mal freundlich zu formulieren – eigenwilligen Bürger Broken Wheels bewundern den Laden lieber von außen statt den heiligen Tempel zu betreten. Durch List und Tücke gelingt es Sara allerdings nach und nach, aus Broken Wheel eine lesende Stadt zu machen, nicht zuletzt durch die Hilfe einiger charmanter Bürger. Und mit dem Genuss der Literatur, innovativ unterteilt in Rubriken wie „Kein überflüssiges Wort“, „Sex, Gewalt und Waffen“ oder „Für Freitagabende und faule Sonntage im Bett“, kehrt auch das Leben allmählich wieder nach Broken Wheel zurück. Doch nicht nur Sara, sondern auch die Einwohner ihres Urlaubsziels werden davon beunruhigt, dass das Visum der Bücherliebhaberin bald ausläuft. Also schmieden sie einen wahnwitzigen Plan, bei dem ausgerechnet Amys Neffe und Saras persönlicher Mr. Darcy – Tom – eine wesentliche Rolle spielen soll…

Leseprobe:

„Sara Lindqvist
Kornvägen 7, I
136 38 Haninge
Schweden

Broken Wheel, Iowa, 23. Oktober 2010

Liebe Sara,

Bücher oder Menschen, fragst du. Das ist eine schwere Entscheidung, muss ich sagen. Ich weiß nicht, ob Menschen bedeutsamer sind als Bücher – sie sind auf keinen Fall angenehmer oder lustiger oder tröstlicher… und dennoch, sosehr ich diese Frage auch drehe und wende, ich muss mich am Ende wohl für die Menschen entscheiden. Ich hoffe, dass du nicht das Vertrauen zu mir verlierst, wenn ich das zugebe.
Ich kann um nichts in der Welt erklären, warum ich die Menschen vorziehe. Wenn man sich ihre bloße Anzahl ansieht, dann tragen auf jeden Fall die Bücher den Sieg davon – in meinem ganzen Leben habe ich vielleicht eine Handvoll Menschen geliebt, im Vergleich zu Dutzenden oder hunderten von Büchern (und hier rechne ich nur die, die ich wirklich geliebt habe, die, bei denen der bloße Anblick schon froh macht, über die man immer lachen muss, egal, was sonst gerade passiert, zu denen man immer wieder zurückkehrt wie zu einem alten Freund und von denen man genau weiß, wann man ihnen zum ersten Mal „begegnet“ ist, ich bin sicher, du weißt schon, was ich meine). Aber die Handvoll Menschen, die man liebt… die ist doch mehr wert als diese ganzen Bücher.“

Kritik:

Da es zum guten Ton gehört, mit dem positiven Feedback zu beginnen, möchte ich hier an allererster Stelle den liebevoll gestalteten Einband erwähnen. Hier passt wirklich alles: die Farben harmonieren miteinander, das leuchtende Rot ist ein echter Blickfang, die lesenden Frauenfiguren stellen eine tolle Ergänzung zu den Bücherstapeln und den süßen Häuschen dar. So weit, so gut. Allerdings hätte ich mir von der Autorin gewünscht, nicht nur bei der Umschlaggestaltung Wert auf Farbe zu legen. In direktem Gegensatz zum Einband, der in kräftigem Rot gehalten ist, kommt die Protagonistin Sara als ziemlich graues Mäuschen daher. Die Bezeichnung „Bücherliebhaberin“ verkehrt sich bei ihr schon beinahe in den Begriff „Bücherfanatikerin“, so zieht sie das Lesen von Büchern der Teilnahme am „echten Leben“ vor, was ab einem gewissen Punkt selbst der größten Leseratte abstrus erscheint. Dementsprechend karg und grau ist ihr Leben fernab der Bücherseiten auch, ebenso wie sie – dagegen kann sie leider nicht anlesen. Es drängt sich allerdings weiterhin der Verdacht auf, dass zu Saras Hobbies, abgesehen von Lesen, das Suhlen in Selbstmitleid gehört. Dies, und Saras nichtexistentes Selbstbewusstsein (als Frau), lassen anfangs vermuten, dass die Autorin ein etwas veraltetes Klischee als Identifikationsfigur für die geneigte Leserin neu verwerten möchte bzw. die betreuende Lektorin/ der betreuende Lektor der Ansicht war(en), mit so einer Identifikationsfigur eine möglichst breite Masse an weiblichen Lesern ansprechen und so möglichst viel Profit machen zu können. Allerdings sollte dieser Typ Frau – ohne Selbstbewusstsein, sieht sich selbst als graues Mäuschen, steckt die Nase am liebsten in Bücher, während es hofft, dabei vom Traumprinzen nicht übersehen zu werden – spätestens seit „Twilight“ ausgedient haben, außerdem entspricht es meiner Erfahrung nach nicht der Realität. Die Frauen und Mädchen, die mir bekannt sind, sind durchaus in der Lage, belesen und selbstbewusst zu sein. Lesenden Frauen diese Eigenschaft jedoch indirekt abzusprechen, ist im 21. Jahrhundert eher ein Schlag ins Gesicht für Frauen und Mädchen, die sich in ihrem weiblichen Körper wohl fühlen und dennoch kein Problem damit haben, ein Buch in die Hand zu nehmen – das eine schließt das andere nicht aus.
Nach diesem Schwall Gesellschaftskritik, die mir bei diesem Buch als ein notwendiges Übel erschien, welches erwähnt werden musste, möchte ich nun nochmal auf Lobenswertes zurückkommen, wie zum Beispiel die charmanten Kapitelüberschriften(„Bücher vs. Leben“). Doch da gibt es vor allem Amy zu erwähnen – wir erinnern uns: Saras langjährige Brieffreundin, mit der sie Bücher und Gedanken austauschte. Nun, Amy ist zwar zu Beginn der Handlung an einem nicht weiter benannten Leiden gestorben, doch ihre alle paar Seiten eingestreuten Briefe sind ein wahrer Lichtblick für den von Saras nicht vorhandener Persönlichkeit gelangweilten Leser. Amy macht das wett, woran es Sara mangelt: Charakter. Während Sara, wenn sie über Bücher spricht, eher platte, häufig gelesene und/ oder gehörte Ansichten wiedergibt, ist Amy in der Lage, neue Blickwinkel aufzuzeigen. Wäre nicht ein graues Mäuschen wie Sara nach Broken Wheel gekommen, sondern eine erfahrene Frau wie Amy, wäre der Roman wahrscheinlich lebhafter und interessanter gewesen als mit einer toten Amy und einer lebenden, aber nicht sehr lebendig anmutenden Sara.
Überhaupt stellt Amy für mich die einzige gelungene Figur in diesem Roman dar. Die höchst eigenwilligen und eigentlich sehr verschiedenen Bewohner Broken Wheels, die Sara von Anfang an (mehr oder weniger) unterstützen, haben durchaus Potenzial für tragisch-komische Handlungsstränge. Vermutlich wäre jede einzelne ihrer Geschichten interessanter als Saras Überlegungen, insofern sie ausführlicher behandelt worden wären. Dies geschieht leider eher oberflächlich. Sattdessen kommt es zu seltsamen Dialogen, die – man kann es nicht anders sagen – platt sind: ohne wirkliche Konklusion oder Relevanz.
Diese Konstellation – von den interessanten Dingen zu wenig, die langweiligen dagegen im Übermaß – verursacht, dass die Handlung erst spannend wird, als es zur Eröffnung des Buchladens kommt. Nun kommt etwas mehr Action auf und die Autorin beweist stellenweise durchaus Sinn für Humor und Kreativität, insbesondere in Bezug auf die Aktion, die Broken Wheel plant, um Sara auf ewig an sich zu binden. Doch die Spannung ist zum Schluss leider so gut wie vollkommen raus, denn das nun wirklich sehr vorhersehbare Ende kommt wenig mutig oder gar unterhaltsam daher. Da hilft auch nicht Saras sanfte Veränderung zu mehr Selbstbewusstsein und ihre neu gewonnen Eigenschaft, auch mal Humor zu zeigen statt Anzeichen für eine soziale Phobie. Denn selbst – oder insbesondere – die notwendige Liebesgeschichte zwischen Sara und ihrem für alle Leser offensichtlichen Angebeteten Tom, Amys Neffe mit leicht manischem Charakter, wird von zu vielen überflüssigen Worten verdorben. Nun erwartet ja keiner, dass es Liebe auf den ersten Blick sein muss. Aber die (zum wiederholten Male) an „Twilight“ erinnernde Liebesgeschichte – unscheinbare Frau ohne Selbstbewusstsein kriegt verboten gutaussehenden, geheimnisvollen Mann – ist davon geprägt, dass beide sich unglaublich lange Zeit lassen, sich einzugestehen, dass sie ineinander verliebt sind, während ihre Handlungen in direktem Widerspruch dazu stehen. Da wünscht man den beiden dann doch mal mehr Enthusiasmus, wenn es um Entscheidungen geht, ebenso wie es der Autorin empfehlenswert gewesen wäre, Sara mit ebenso viel Farbe wie den Umschlag zu gestalten.

Empfehlung:

Gar keine wäre übertrieben. Wer sich vom deutschen Buchtitel, der leicht kitschig und wenig ideenreich daherkommt, nicht verschrecken lässt und eine seichte Herbstlektüre sucht, die man im Warmen mit einer heißen Schokolade genießen kann, der wird vermutlich nicht enttäuscht werden. Vorausgesetzt, er hat graue Mäuschen als Identifikationsfiguren für begeisterte LeserInnen noch nicht satt. Ansonsten sollte man sich nicht vom bezaubernden Umschlag allein beeindrucken lassen, sondern lieber nach weniger vorhersehbaren und oberflächlichen Happy Ends weitersuchen, insofern man nach einem „Feel good“-Roman Ausschau hält.Die Entscheidung, wie viele Büchereulen das Buch bekommen sollte, schwankte zwischen 2 oder 3 Büchereulen. 3 Büchereulen wären gerechtfertigt, da nicht nur der Umschlag liebevoll gestaltet ist, sondern ich mir sicher bin, dass auch die Autorin sich sehr viel Mühe gegeben hat. Allerdings empfand ich die Hauptfigur Sara sowie den Umstand, dass streckenweise mit wenig Liebe fürs Detail gearbeitet wurde, als sehr störend und langweilig. Da allerdings auch schon Aristoteles von der goldenen Mitte überzeugt war, vergebe ich diplomatische 2 ½ von 5 Büchereulen.

 

 

 

 

Ilija Trojanow (Text)
Anja Bohnhof (Fotos)

Die Stadt der BĂĽcher

Erschienen im Verlag LangenMĂĽller.
1. Auflage, MĂĽnchen 2012,

Gebundenes Buch.
128 Seiten, 60 Farbfotos,
Format 18 x 14 cm.

ISBN: 978-3-7844-3293-9

14,99 Euro

 

 

 

 

„Ein Labyrinth aus bedrucktem Papier; von den Bürgersteigen zu den Durchgängen, von Türen über Treppen bis hinauf zu vollgestopften Dachgeschossen stapeln sich Bücher zu Fassaden, Ecken und Erkern.” (Verlagstext)

Die Fotografin Anja Bohnhof schreibt ĂĽber ihre Arbeit:

Unbeeindruckt von den Verkündigungen, die das Ende der Ära des gedruckten Buches im digitalen Zeitalter in schon naher Zukunft als Gewissheit betrachten, stapelt sich das Druckwerk im Universitätsviertel in Kolkata (Kalkutta) zu Millionen und wird täglich von vielen ortsansässigen großen und kleinen Verlagshäusern neu produziert und auf den Markt gebracht. Es heißt, im Viertel rund um die College Street bekäme man jedes gewünschte Buch: Über 10.000 Buchläden offerieren ein Angebot neuer und gebrauchter Ware, die von den Schriften Karl Marxs über islamische Prosa bis hin zu aktuellen Lehrbüchern reicht.

Aber Kolkata zeichnet sich nicht nur über die Liebe zum Lesen aus, die Metropole ist der drittgrößte Softwareexporteur Indiens, daher also maßgeblich beteiligt an den Entwicklungen, die zu weltweiten Digitalisierungsprozessen in immer mehr Lebensbereichen beitragen und dauerhaft wohl auch die Existenz des Buches in seiner materiellen Form mindest in Frage stellen werden.

Dessen ungeachtet ist der Respekt vor dem gedruckten Buch dort äußerst präsent, was sich nicht nur in Achtung vor Bildung und Wissen begründet. Innerhalb einer über viele Jahrzehnte von materieller Armut geprägten westbengalischen Bevölkerung, hat das Materielle einen grundsätzlichen Wert, anders, als es in Wohlstandsgesellschaften denkbar ist. Dieser Respekt offenbart sich insbesondere, wenn man die oft improvisiert anmutenden Verkaufsstände an den Straßenrändern in den Blick nimmt, architektonische Gebilde aus Büchern, die wahrlich jedem Buch der Welt einen Platz zu geben scheinen.

Diese Buchläden stehen im Mittelpunkt meiner fotografischen Arbeit, über die angewandten Formalkriterien, der mit Großformattechnik umgesetzten Aufnahmen, gelingt eine Konzentration auf das einzelne Objekt und ermöglicht zudem eine Vergleichbarkeit innerhalb der gesamten Serie. Kontrastiert werden diese detailgenauen und menschenleeren Ansichten durch Aufnahmen von belebten Straßenszenerien aus dem Alltag der College Street und ihren Seitenstraßen: Einem Ort in Kolkata, dessen Erhabenheit sich auf Wissen und Respekt gegenüber dem Kulturgut Buch in jedem noch so schlicht wirkenden Bücherstand auszudrücken vermag.

 

 

Sheridan Hay

Die Antiquarin

Roman. Erschienen im Kindler Verlag (zu Rowohlt Verlage). 1. Auflage, Reinbek 2007.
Aus dem Englischen von Judith Schwaab.
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag,
431 Seiten, Format 21 x 13 cm.

ISBN  3-463-405063

19,90 Euro

Originaltitel: The Secret of Lost Things
Originalverlag: Fourth Estate, London 2006

 

 

 

Inhaltsangabe:

Die jungfräuliche Rosemary Savage kommt mit 18 Jahren nach dem Tod ihrer Mutter aus Tasmanien nach New York. Allein streift sie dort umher und findet bei der Erkundung der Stadt schließlich das Arcade – ein riesiges Antiquariat, dessen Mitarbeiter ebenso seltsam wie faszinierend sind. Rosemary, die nebst ihrer Fantasie auch noch ihre Liebe zu Büchern besitzt, will unbedingt an diesem geheimnisvollen Ort arbeiten. Entgegen ihren Erwartungen wird sie von dem störrischen Inhaber George Pike eingestellt und so beginnt Rosemary nach und nach in die Welt dieser Kostbarkeiten einzutauchen. Dabei macht sie auch Bekanntschaft mit dem eigenwilligen Oscar, einem 10 Jahre älteren Kollegen, in den sie sich unsterblich verliebt. Doch der Geschäftsführer Walter Geist, ein Albino in den Vierzigern, beginnt, sich für Rosemary – im Gegensatz zu Oscar – zu interessieren. Rosemarys anfängliche Abscheu wird immer mehr von ihrer Faszination ihm gegenüber verdrängt. Im weiteren Verlauf des Romans wird Rosemary auf ein Manuskripts Herman Melvilles aufmerksam. Gemeinsam mit Oscar macht sie sich auf die Suche danach und die beiden scheinen dem verlorengeglaubten Meisterwerk immer näher zu kommen. Doch auch Geist ist auf der Suche nach diesem unbezahlbaren Dokument und den beiden immer einen Schritt voraus…

Leseprobe:

Mit einem Mal ließ er sich auf einen Stapel Bildbände über Innenarchitektur fallen und rülpste hinter vorgehaltener Hand. Arthur plagten ständig Verdauungsstörungen.
»Grausamkeiten bin ich gewohnt, Rosemary. Du hast sicherlich gemerkt, dass es eine ganze Reihe von Leuten hier im Arcade gibt, die Grausamkeit gewohnt sind.«
Er rĂĽlpste noch einmal.
»Ich meine, schau dir doch nur mal Geist an, und sogar den bewundernswert eigenwilligen Oscar. Und dann ist da Pearl –Mensch, Hermaphroditen gibt’s doch nur im Märchen! Diese Leute wissen alle, was es heißt, wenn man grausam zu ihnen ist.«
»Aber sie sind selber nicht grausam.«, sagte ich überzeugt. »Das ist der Unterschied. Deshalb ist hier auch jeder sicher.«
»Da würde ich mich nicht drauf verlassen. Grausamkeit kennt jeder, auf die eine oder andere Weise.«
»Was meinst du?«
»Schau mal, mein tasmanischer Teufel …«
»Hör endlich auf damit!«, rief ich.
»Okay!« Er hob die Hände, als wollte er sich ergeben. »Aber du solltest nicht darauf bestehen, nur das zu sehen, was du sehen willst. Versuch diesen Ort hier als das zu betrachten, was er ist.«
»Und was ist dieser Ort, Arthur?«
»Na, ein Buchladen, aber auch ein Reliquienschrein für die Gebeine seltsamer Kreaturen. Meerjungfrauenschwänze, die Hörner von Einhörnern … diese Sachen eben. Hier hast du einen wunderbaren Einblick in die Naturgeschichte.«
Er wandte seinen groĂźen Kopf und sah sich um.
»Die Bücher dienen dazu, das Normale auszufiltern. Das Wirkliche. Und wir haben uns in der Isolation weiterentwickelt, wie die Gattungen auf Galapagos. Wir sind Isolatos– Inseln auf einer Insel, wie die Insel, von der du kommst …«
»Hör auf Arthur, du bist schon komisch.«, sagte ich. Es machte mich ungeduldig, dass ich seiner Argumentation nicht mehr folgen konnte, seinen ewigen Abschweifungen.
»Genau. Das wollte ich gerade sagen. Ich habe gar keine andere Wahl, als komisch zu sein.«
Er hievte sich wieder hoch und schlenderte zu einem der Stammkunden, um ihn zu fragen, ob er Hilfe brauche.

Kritik:

Während man Sheridan Hay einen Pluspunkt für ihren angenehm zu lesenden wie auch anmutigen Schreibstil geben muss, so muss man ihr auch wieder vorwerfen, dass dieser Roman einfach zu viele Charaktere und deren Probleme umfasst. Denn im Roman geht es nicht nur um die Wandlung der Hauptprotagonistin Rosemary von einem schüchternen Mädchen zu einer selbstbewussten jungen Frau, sondern es werden auch Themen wie Transsexualität, der Verlust des eigenen Kindes und Flucht, Mobbing und Diskriminierung sowie Liebeskummer mehr oder weniger auseinandergepflückt. Das sind einfach zu viele Themen, die da auf den Leser einprasseln und die Spannung des Romans ins Stocken bringen – wobei ohnehin schon nicht allzu viel Spannung zu erwarten ist, denn was sich auf dem Klappentext nach einem Krimi anhört, ist viel mehr die Geschichte eines Reifeprozesses, der manchmal so von naiven Gedankengängen durchwirkt ist, dass man Rosemary am liebsten an den Schultern nehmen und schütteln möchte. Doch vor allem wenn man in den Genuss ihrer Schuldzuweisungen kommt, möchte man laut aufstöhnen. Egal, wie sehr Oscar sie (mal wieder) demütigt, stets sieht Rosemary bei sich selbst die Schuld dafür, zeigt Verachtung für sich selbst und hechelt ihm weiterhin treu-doof hinterher. Da würde man teilweise am liebsten das Buch weglegen, was man aber letztendlich doch nicht tut, denn Rosemary ist einem auch irgendwie viel zu sehr ans Herz gewachsen. Also geht man ihren Leidensweg mit, der immerhin von schöner sprachlicher Gestaltung ist.

Empfehlung:

Auf jeden Fall was für Bücherliebhaber, denn die Atmosphäre im New Yorker Arcade, wie sie hier beschrieben wird, lässt einem als Bibliophilen das Wasser im Mund zusammenlaufen. Doch sollte man sich beim Kauf des Buches vor Augen halten, dass man weniger einen Krimi zu erwarten hat, stattdessen aber postpubertäre Gedankengänge, die wahrscheinlich nicht jeden zum Schmunzeln bringen, sondern manchen vor soviel Naivität eher ins Rasen versetzen. Auch muss man mit vielen Zitaten Herman Melvilles rechnen sowie Details aus seinem Leben, was ich zwar als interessant bewertet habe, aber von Lesern, die nichts für Melville übrig haben, eher als störend empfunden werden könnte. Letztendlich ein Roman, der durchaus lesbar ist, jedoch wohl nicht zum heimlichen Bestseller avancieren würde. Eben ein Buch, das einfach nur nett ist und dementsprechend auch drei nette Büchereulen verdient.

Ein wunderbarer Bilderbuchschatz des französischen Autors und Illustrators Claude Ponti, in dem er eine ganz besondere Welt beschreibt und zeichnet.

Im schönsten Tal der Welt gibt es gibt es Orte wie die blauen Felsen, den Verirr-dich-nicht-Wald, die Heia-Heia-Insel, den Geheimnisbaum, das Austobhaus und natürlich den Haus-Baum mit Sternenzimmer, Schlafzimmer, Schwimmbad, Treppen,  Turmzimmer und mehreren Bücherzimmern.

Erschienen 2010 im Moritz Verlag. 48 Seiten · gebunden · Fadenheftung · durchgängig farbig illustriert · 30,2 x 21,6 cm. ISBN 978-3-89565-221-9. Aus dem Französischen übersetzt von Erika Klewer.

 

 

Franziska Biermann

Herr Fuchs mag BĂĽcher

Kinderbuch. Erschienen bei Bloomsbury K & J (Berlin Verlag GmbH) 2008.
Originalausgabe erschienen im Rowohlt Verlag, Hamburg 2001.
Text & Illustration: Franziska Biermann.
Gebunden, 64 Seiten, Format 23,6 x 16,4 cm.

ISBN  978-3-8270-5317-6

11,95 €

 

 

 

 

 

Inhaltsangabe:

Die Geschichte handelt von dem kleinen Herrn Fuchs, der Bücher über alles liebt – so sehr, dass er sie sogar zum Fressen gern hat. Deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass ihn sein Hunger nach Büchern so weit treibt, dass er sogar seine Möbel verkaufen muss, um sich Bücher kaufen zu können. Doch irgendwann hat er all seine Bücher verschlungen und braucht dringend Nachschub, denn je mehr Bücher er verschlingt, desto größer wird auch sein Appetit. Über einige Umwege kommt der kleine Herr Fuchs schließlich ins Gefängnis. Aus der Not heraus beginnt er seinen eigenen Roman zu schreiben, um ihn hinterher verspeisen zu können. Aber Herr Schultz, der Gefängniswärter, bringt das Buch von Herr Fuchs groß raus, so dass der Autor berühmt und natürlich aus dem Gefängnis entlassen wird. Sein Buch ist sogar so beliebt, dass man es nicht nur in 17 Sprachen übersetzt, sondern es auch noch verfilmt! Herr Fuchs, der nun ein stinkreicher Millionär ist, kann sich so viele Bücher kaufen, wie er will und braucht von diesem Tage an keinen Hunger mehr zu leiden – weder nach Bildung noch nach schmackhaften Bücherseiten.

Leseprobe:

»Er trat ein und befand sich mitten im Schlaraffenland: kilometerweit nichts als Bücher – Regale gefüllt von oben bis unten. Lecker, lecker!, dachte der kleine Herr Fuchs. Er konnte es kaum fassen, dass man von hier die Bücher umsonst mitnehmen durfte. Von nun an kam der kleine Herr Fuchs jeden Tag in die Bücherei. Unauffällig begutachtete er seine Leibspeisen und leckte, schnupperte und schleckte an der einen oder anderen Probeseite. Hatte er etwas nach seinem Geschmack gefunden, verstaute er es in seiner Fuchstasche und schleppte es nach Hause.«

Kritik:

Obwohl ich solche Bücher schon seit Jahren nicht mal mehr mit einem Blick bedacht habe, muss ich zugeben, dass ich dieses Büchlein durchaus niedlich fand. Für Kinder ist dieses Buch wirklich geeignet, da es die Lust auf Bücher nicht nur weckt, sondern auch leicht ironisch auf die Schippe nimmt. Die Sätze sind kurz und altersgerecht formuliert, die Illustrationen wirklich herzallerliebst. Ich glaube, für so ein Buch fällt einem kein anderes Wort außer süß ein.

Empfehlung:

Für Kinder in der Altersklasse 3 bis 7 passend formuliert und liebevoll gestaltet. Mit dieser Geschichte fällt das Einschlafen bestimmt nur noch halb so schwer. Doch auch für Jugendliche und Erwachsene ist dieses Werk ein zwar kurzes, jedoch erfrischendes und jederzeit passendes Lese-Erlebnis. Das einzige, was es erfordert, ist eine gewisse Portion Humor und ein Herz, das im Grunde Kind geblieben ist. Selbst rwachsene Leser werden sich an der farbenfrohen Gestaltung des Buches erfreuen.
Wohl verdiente 5 BĂĽchereulen, denn fĂĽr echte BĂĽcherliebhaber ein absolutes Muss!

 

 

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